Capoeira

Capoeira ist eine brasilianische Kampfkunst, zu der tänzerische und akrobatische Elemente gehören.  Capoeira fördert Musikalität, Bewegung, Selbstbewusstsein, Disziplin, Freundschaft, interkulturelle Zusammenarbeit, Lebensfreude. Im November 2014 wurde Capoeira in die Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.


MESTRE BIMBA

Manuel dos Reis Machado kam am 23. Nevember 1900 in Salvador, Bahia auf die Welt. Er bekam seinen Spitznamen „Bimba“ bei seiner Geburt, aufgrund einer Wette zwischen seiner Mutter, Maria Martinha do Bonfim und der Hebame, die ihn zur Welt brachte.

Sein Vater Luis Candido Machado war ein angesehener Batuqueiro-Meister.
Bimba fing mit 12 Jahren mit Capoeira an. Sein Meister war der Afrikaner Bentinho. Mit 18 Jahren fing Bimba an, in seiner Nachbarschaft Capoeira zu unterrichten. Er selbst sagte: “ 1918 gab es keine Capoeira Schule, aber es gab Capoeira Rodas in Straßengassen und  im Wald.“

Im Jahre 1928, mit dem Gedanken, dass die Capoeira die er praktizierte und lehrte, nicht konkurrenzfähig war und in Sachen Kampf zu wünschen übrig ließ, ergänzte er Tritte und Schläge aus dem Batuque in die Capoeira Angola und schuf so „Capoeira Regional“.

„Ich erschuf Capoeira Regional, während ich Angola lernte, erfand und perfektionierte währendessen neue Bewegungen. 1928 kreierte ich Capoeira Regional, was sich aus einer Mischung aus Batuque in Capoeira Angola zusammensetzt, nur mit mehr Bewegungen. Ein wahrer Kampf, der gut für den Körper und Geist ist.“

Die Capoeira Regional sorgte für Streit unter den Capoeiristas, die nicht mit dieser radikalen Veränderung zufrieden waren. Auf der anderen Seite hörten Zeitschriften und Magazine nicht auf, über seine  Heldentaten zu berichten. Mestre Bimba und seine Capoeira wurden in Brasilien berühmt.

im Jahre 1932, eröffnete er seine erste Capoeira Academia mit dem Namen “Centro de Cultura Física e Regional“.
5 Jahre danach, im Jahre 1937, wurde sie von der Regierung anerkannt und registriert. 1939 lehrte Bimba Capoeira Regional im Hauptsitz der CPOR (Centro de Preparação de Oficiais). Er eröfnnete seine zweite Academia im Jahr 1942.

Bimba präsentiert seine Capoeira erst im ganzen Land und am 23. Juli 1953 dem Präsidenten Getulio Vargas in Salvador. Während dem Händeschütteln mit Mestre Bimba ernennt er Capoeira als „den einzig wahren Nationalsport“.

Nach diesem Aufeinandertreffen öffnet Getulio Vargas die Türen für alle vorher verfolgten Demonstrationen. Damit wurde auch der Verbot des Praktizierens von Capoeira aufgelöst.
Verheiratet und als Vater von 10 Kindern muss Bimba mit finanziellen Problemen kämpfen. Daher zieht er von Salvador nach Goiania, mit der Hoffnung auf mehr Annerkennung. Sein Leben in Goiania lief jedoch nicht so wie ihm versprochen wurde. Ein Jahr nachdem er Bahia verlassen hat, stirbt Mestre Bimba am 05. Februar 1974.

Der Mann, der Capoeira auf ein höheres Level brachte, sie den Universitäten und der Gesellschaft von Salvador einführte, der in Encyclopedien erwähnt und von Touristen aus aller Welt gefilmt wurde, fand seine letzte Ruhe in Goiania . Seine Überreste wurden am 20. Juli 1978 nach Salvador gebracht.
Bimbas Werk wurde, wie er, unsterblich. Seine Philosophie und Kraft, eine starke, authentische Capoeira (genannt „Regional“), bleiben bis heute eine brasilianische Kampfkunst.


 

MESTRE PASTINHA

Vicente Ferreira Pastinha (* 5. April 1889 in Salvador da Bahia, Brasilien; † 13. November 1981 ebenda) war ein brasilianischer Kampfsportler.

Mestre (Meister) Pastinha ist als Begründer der Capoeira de Angola bekannt, der „afrikanischen“ Stilrichtung der Kampfsportart Capoeira. Pastinha hat ganz maßgeblich zur Entwicklung dieser Stilrichtung beigetragen zu einer Zeit, in der Capoeira noch durch das Gesetz verboten war.

Noch heute lebt ein Schüler von ihm, Mestre João Grande der nun in New York seine Kenntnisse weitergibt. Mestre João Pequeno, ebenfalls Schüler von Mestre Pastinha, ist am 9. Dezember 2011 in Bahia verstorben.

Die prägenden Jahre:

Mestre Pastinha begann Capoeira im Alter von 8 Jahren durch einen Afrikaner mit dem Namen Benedito zu lernen. Hierzu gibt es eine kleine Geschichte: ein älterer und stärkerer Junge aus Pastinhas Nachbarschaft hatte ihn häufig verprügelt. Eines Tages sah Benedito dieses und bat Pastinha zu seinem Haus zu kommen, wo er ihm einige Dinge beibringen werde. Er schärfte ihm ein, seinen Gegner nicht zu provozieren, sondern seine Kampfkenntnisse so gut als möglich zu verbergen. Beim nächsten Zusammentreffen mit dem Jungen soll Pastinha ihn so schnell besiegt haben, dass der ältere Junge zu seinem Bewunderer wurde.

Mestre Pastinha hatte eine glückliche und bequeme Kindheit. Morgens besuchte er Malkurse an der Kunstschule Liceu de Artes e Ofício; während der Nachmittage spielte er mit Papierdrachen und lernte Capoeira. Er führte sein Training mit Benedito für drei Jahre weiter.

Auf Wunsch seines Vaters besuchte er später eine Seemanns-Akademie. Er konnte deshalb sein Training nicht weiterführen, brachte aber auf der Schule seinen Freunden Capoeira bei. Im Alter von 21 Jahren verließ er die Schule um ein hauptberuflicher Maler zu werden. In seiner Freizeit hat er im Geheimen weiterhin Capoeira trainiert, da es zu dieser Zeit in Brasilien immer noch illegal war.

Die Capoeira Angola:

Mestre Pastinha nahm 1941, einer Einladung von Aberrê – seinem früheren Schüler – folgend, an einer sonntäglichen Roda (Capoeira-Wettkampf) beim „Ladeira do Gengibirra“ im Stadtteil „Liberdade“ teil. Hier waren ständig auch die besten Meister anzutreffen.

Aberrê war schon lange berühmt in diesen Rodas und nachdem Pastinha einen Nachmittag dort verbracht hatte, fragte ihn einer der besten Meister von Bahia, Mestre Amorzinho, ob er nicht Capoeira Angola unterrichten wolle. Als Ergebnis gründete Pastinha 1942 die erste Capoeira Angola-Schule, das „Centro Esportivo de Capoeira Angola“ im Stadtteil Pelourinho. Seine Schüler trugen schwarze Hosen und gelbe T-Shirts, die gleichen Farben die der „Ypiranga Futebol Clube“ benutzte, Pastinha’s Lieblingsclub.

Er nahm mit der brasilianischen Delegation am “First International Festival de Artes Negras” in Dakar (Senegal), teil. An diesem Festival waren auch Mestre João Grande, Mestre Gato Preto, Mestre Gildo Alfinete, Mestre Roberto Satanás und Camafeu de Oxossi dabei.

Die letzten Jahre:

Pastinha arbeitete als Schuhputzer, Schneider, Goldschürfer, Türsteher (leão de chácara) eines Casinos und Bauarbeiter am Porto de Salvador, um sein finanzielles Auskommen zu sichern. So konnte er das sein, was er am meisten wollte: ein Angoleiro.

Pastinha – alt, krank und fast komplett blind – wurde von der Verwaltung gebeten, sein Haus für Renovierungsarbeiten zu verlassen. Aber es wurde ihm nie wieder zur Verfügung gestellt – stattdessen wurde ein Restaurant und Geschäft darin untergebracht. Am Ende wurde Pastinha in einem Obdachlosenheim einquartiert (Abrigo D. Pedro II – Salvador da Bahia).

Mestre Pastinha starb als einsamer, gebrochener Mann und verbittert über seine Behandlung im Alter von 92 Jahren am 13. November 1981. Am 12. April 1981 trat er zum letzten Mal in der Roda an. Nur einer seiner besten Schüler ist noch übrig, Mestre João Grande, der in New York sein Erbe weitergibt. Der letzte vorher noch lebende Schüler – Mestre João Pequeno – verstarb am 9. Dezember 2011 in Bahia. Dr. C. Daniel Dawson hat später in seinem Buch „Capoeira Angola und Mestre João Grande“ geschrieben, Pastinha sei ein brillanter Capoeirista gewesen, dessen Spiel durch seine Agilität, Schnelligkeit und Intelligenz charakterisiert werden kann (…). Pastinhas Bestreben lag darin, dass seine Schüler die Anwendung, Philosophie und Tradition der reinen Capoeira Angola verstehen. Pastinha sagte einmal: „Ich praktiziere die wahre Capoeira Angola und in meiner Schule lernen die Schüler, aufrichtig und gerecht zu sein. Das ist das Gesetz der Angola. Ich habe es von meinem Großvater gelernt. Es ist das Gesetz der Loyalität. Die Capoeira Angola, die ich gelernt habe – ich habe sie in meiner Schule nicht verändert. Wenn meine Schüler etwas angehen, dann gehen sie es so an, dass sie alles darüber wissen wollen.

Sie wissen es; dies ist Kampf, dies ist List. Wir müssen ruhig bleiben. Es ist kein offensiver Kampf. Capoeira wartet (…) Der gute Capoeirista muss singen, Capoeira spielen und die Instrumente der Capoeira spielen können“